Wenn von der Wirtschaft die Rede ist, ist das immer eine männliche Sache, wobei sich in Dress und Wort gut gestylte Herren seltsame Begriffe zuwerfen. Irgendwann gibt es dann noch den Begriff "Schattenwirtschaft", mit der die Menschen im Schatten der offiziellen Meßlatten jene Dinge betreiben, die sie wirklich brauchen. Und dann gibt es einen Bereich, der gar nicht als Wirtschaft angesehen wird, weil ihn offensichtlich die Frauen betreiben müssen, das nennt sich dann Haushalt.
Eva Fleischer behandelt diesen oft ausgeblendeten Bereich als Feld, worin sich die offiziellen Begriffe und Maßregelungen vollends austoben dürfen. Und siehe, die Hausarbeit wird zu einem hochwertigen Wirtschaftsgut, wenn man sie als hochwertig begreift.
Das Zentrum der Hausarbeit ist seit jeher die Küche. In einem historischen Abriss werden die markanten Stationen dargestellt:
Einhausküche (eine zentrale Küche für einen Wohnblock)
Frankfurter Küche (Einbauschränke, kurze Wege, eindeutige Handgriffe)
Maschinenpark-Küche (für jede Speise eine Spezialmaschine).
Manche Erkenntnisse sind verblüffend. So nimmt der Zeitaufwand beim Kochen nicht ab, wenn Maschinen eingesetzt werden, denn diese müssen auch gewartet, eingeräumt und umständlich bedient werden. Neben dem eigentlichen Kochen gibt es auch das Schaukochen für Freunde und Bekannte.
Wenn Männer angeben, sie kochen gerne, handelt es sich meist um Schaukochen. Sonst sind Männer nur sehr selten in der Küche anzutreffen, höchstens um einmal ein Gerät einzuschalten.
Aber offensichtlich sind an diesem Unverhältnis nicht nur die Männer schuld, die sich mit eleganten Ausreden weigern, Hausarbeit zu machen. Frauen empfinden diese Tätigkeit, die meist mit der Kinderbetreuung einhergeht, als ihre Kernkompetenz, die sie nicht loslassen.
So ist die ungleiche Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen von der Wirtschaft durchaus erwünscht, zum Ausgleich gibt es etwa gute Slogans und Streicheleinheiten der Hardware: "Mit meinem Neff bin ich der Chef!"
In futuristischen Küchenszenarien wird die Zukunft mit heutigen Beispielen vorweggenommen. Da bahnt sich etwa die Internet-Küche an, Fertigprodukte sind im Vormarsch, das Kochen ohne Kochbuch gilt als Befreiungsschlag schlechthin und dient der puren Selbstverwirklichung.
Eva Fleischer gibt einen profunden Einblick in das Leben im Haushalt. Interviews mit Betroffenen sind schräg gedruckt auf grauem Teppich oft bis zur Unleserlichkeit entstellt, was vielleicht darauf hindeutet, dass die handelnden Personen oft ihr Schicksal sehr undeutlich formulieren.
Vor dem Gesetz hat übrigens die nichterwerbstätige Hausfrau Anspruch auf ein Drittel des Einkommens des Mannes, und die erwerbstätige Auch-Hausfrau auf 40 % des gemeinsamen Einkommens - damit der Mann nicht die Lust zu arbeiten verliert. (20)
Als Leser nimmt man diese erhellenden Aspekte als typisch wissenschaftlichen Befund trocken entgegen. Irgendwo bleibt nämlich eine Frage unbeantwortet. Männer und Frauen organisieren sich dieses Leben doch freiwillig? Wer zwingt sie eigentlich, Kinder zu produzieren und einen aufreibenden Haushalt zu inszenieren?
Helmuth Schönauer (Pool Feuilleton//www.biblio.at)
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Studienverlag
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ISBN:
978-3-7065-1752-2
Beschreibung:
78 Seiten : Illustrationen
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